Wir haben bei unseren FNM-Drafts (immer Freitags, 17:30 Uhr; Details hier) öfter Neulinge am Tisch sitzen, die zwar gepflegt die Karten bei einer Runde Commander drehen, aber mit dem Limited-Teil von Magic, außer beim Prerelease-Pflichtbesuch natürlich, nie groß in Berührung kommen.

Um diesen und anderen Neugierigen die Scheu vor dem Sprung ins kalte Draft-Wasser zu nehmen, folgt eine nützliche Anleitung, die einen in kleinen, nicht zu komplexen Schritten an das Thema heranführt. Ein Schema F, wenn man so will, mit dem sich die ersten Drafts angstfrei und freudenreich meistern lassen. Es garantiert einen reibungslosen Draft-Verlauf an dessen Ende ein brauchbares Deck steht mit dem ihr beim FNM die ein oder andere Runde für euch entscheiden werdet.

Wir werden in zukünftigen Texten – am Beispiel des Core Set 2020 Draft-Formats – tiefer in die Materie eindringen, um das hier Erlernte sinnvoll auszubauen. Doch erstmal verzichten wir auf zu viele Tangenten und bleiben strikt bei der Sache (wir versuchen es zumindest).

Schritt 1) Das Werkzeug

Für einen Draft braucht es nicht viel:

  • 6 oder 8 Spieler – eine gerade Anzahl hat Vorteile, da Draft in der Regel in Duellen 1 gegen 1 gespielt wird; wenn ihr nicht genug Spieler habt, schaut bei dem Hobby-Store in eurer Nähe nach, da gibt es meist wöchentliche Drafts mit ausreichend Spielern. Wer’s zuerst solo versuchen will, findet auf Magic Arena praktikable Möglichkeiten.
  • 3 Booster Packs je Spieler; sinnvollerweise alle aus derselben Edition; aktuell eignet sich das Core Set 2020 hervorragend für den Draft-Einstieg
  • 40 – 50 Hüllen, die Karten können und sollen später ja noch in irgendwelchen Constructed-Decks Verwendung finden
  • Zettel & Stift, eine handvoll Würfel für Lebenspunkte und +1/+1 Marken oder so

Schritt 2) Wie Draften

Die Spieler setzen sich um einen Tisch und jeder Spieler hat seine drei Booster Packs verschlossen vor sich liegen. Alle öffnen zeitgleich einen ihrer Booster, so dass nur sie den Inhalt sehen können, nehmen sich eine Karte, ebenfalls nur für einen selbst sichtbar, und geben die restlichen Karten an ihren Nebendrafter weiter. Hierbei gilt, dass die Karten aus dem 1. und 3. Booster nach links (also mit dem Uhrzeiger) und die Karten aus dem 2. Booster nach rechts (also gegen den Uhrzeiger) gereicht werden. Die Karten, die man gereicht bekommt, werden dabei weniger und der vor einem liegende Stapel mit den gepickten Karten immer größer. Am Ende hat jeder Spieler 45 Karten aus denen in Schritt 4 des Deck gebaut wird.

Schritt 3) Was Draften

Kommen wir zum Eingemachten. Es gibt vermutlich Dissertationen zu diesem Thema und schon vor Release einer Edition überschlagen sich die bekannteren Strategie-Seiten im Netz mit Listen, die einem vorgeben in welcher Reihenfolge das Set zu draften ist. Wer einen Blick in die Zukunft werfen will, kann mal DuckDuckGo mit den Suchworten „Magic BREAD theory“ füttern, wobei selbst diese teilweise umstritten ist.

Wir wollen es einfach halten, quasi kleine Brötchen packen bevor wir uns an die 4-stöckige Torte wagen.

Draftet gute Karten – Ja, es ist wirklich so einfach. Zu Beginn wird euer Verständnis für die Kartenqualität im Draft nicht sonderlich hoch sein, aber ihr seid bereit zu lernen, was schon mal der erste Schritt ist.

Was also ist gut? Wir wollen es simpel halten, deswegen hier die gröbste alle groben Einteilungen als Antwort:

  • Karten, die Kreaturen zerstören (vor allem Kreaturen, die Kreaturen zerstören können!)
  • Kreaturen mit Flying, Deathtouch und bedingt Menace
  • Kreaturen, die anderweitig Kartenvorteil erzeugen
  • Der Rest

In keinen anderen Formaten spielt der Kampf und somit die Kreaturen eine so wichtige Rolle wie im Sealed und im Draft. Spiele werden zu 99,8% durch Kreaturen gewonnen, weswegen man ihnen besondere Beachtung schenken sollte.

Bleibt zweifarbig – Gerade in den ersten Picks ist es verlockend die Rosinen aus dem Kuchen zu picken und sich dabei in jeder Farbe zu bedienen. Das führt eher zu Frust als zum Erfolg und es ist sinnvoller ein Deck zu draften, dass konsistent seine Kreaturen spielen und gegnerische Kreaturen vom Feld nehmen kann, als eins, dass nie dazu kommt etwas zu machen, weil immer die falschen Länder auf dem Tisch liegen.

Achtet auf die Manakosten – Konzentriert euch hierbei primär auf die Kreaturen, die den Grossteil eures Decks ausmachen werden. Generell gilt, dass es sinnvoll ist fünf bis sieben Kreaturen zu spielen, die zwei Mana kosten, ähnlich viele, die drei Mana kosten, und vier bis fünf Kreaturen mit umgewandelten Spruchkosten von vier. Da bleibt nicht mehr viel Platz für die teureren Karten, so dass von den 5,6,7-Drops nur maximal vier bis sechs Exemplare im Deck landen.

Dies sorgt dafür, dass ihr aktiv am Spiel teilnimmt, weil ihr immer etwas haben werdet, was ihr legen könnt, statt dem Gegner dabei zuzusehen, wie er einen mit seinen 2-Drops vors Schienbein tritt, während in eurer Hand die 6-Mana Klopper versauern.

Habt ein Auge auf eure gedrafteten Karten – Das Wichtigste was man während des Drafts machen kann, ist zwischen den Boostern das Gedraftete kurz zu begutachten. Nachdem der 1. oder 2. Booster leergedraftet ist und die meisten sich wie die sprichwörtlichen Geier auf das nächste Pack stürzen wollen, habt ihr die Gelegenheit die bereits gedrafteten Karten zu sichten. Achtet primär darauf, dass ihr genug Kreaturen habt (siehe oben und unten) und sortiert vielleicht kurz nach Manakosten, um zu sehen, ob es Lücken gibt, die man füllen sollte. Beides wird dafür sorgen, dass der nächste Schritt um ein vielfaches angenehmer wird.

Schritt 4) Der Deckbau

In einer IKEA-Anleitung wäre hier abgebildet, welche zuvor nummerierte Schraube für welches angep(f)eilte Loch zu verwenden wäre. Bei einem Draft hat man aber weder zuvor festgelegte Schrauben noch Löcher und erst recht keine Pfeile. Das Interessante am Draft ist es ja gerade, dass man nicht weiß, ob man Schrauben, Nägel oder eben diese komischen Holzstifte bekommt. Teilweise wird man nicht mal das richtige Werkzeug in Händen halten, aber trotzdem sollte das Endergebnis einigermaßen gerade stehen.

Statt Zeichnungen also harte Zahlen. Ein Draftdeck muss mindestens 40 Karten beinhalten:

  • 17 davon sind für die Manabasis (Standardländer und irgendwelche zweifarbigen Manaquellen, wie sie in letzter Zeit immer im Booster zu finden sind; Standardländer müsst ihr dabei nicht aus den Booster nehmen, die kann man von außen dazumischen)
  • 16 – 20 Karten sollten Kreaturen sein; im Draft kommt es zu meist epischen Schlachten auf dem Spielfeld und es gewinnt derjenige, der mit seinen Kreaturen die meisten und vor allem den letzten Schadenspunkt ausgeteilt hat
  • 3 – 7 Karten sind Nicht-Kreaturen, also Instants, Sorceries, Enchantments, Artefakte und/oder Planeswalker; Karten, die Token produzieren, kann man großzügig zu den Kreaturen zählen

Ganz so hart sind die Zahlen nun doch nicht. Die Mischung aus Kreaturen und Nicht-Kreaturen wird immer schwanken. Wichtig ist, dass ihr ausreichend Kreaturen habt (also beim Draften drauf achten!) und, dass ihr exakt 17 Länder spielt. Ignoriert alle, die euch am Anfang etwas anderes erzählen wollen (Abweichungen werden später behandelt); 17 ist die magische Zahl für die Manabasis eines Draftdecks!

Die ersten Drafts eignen sich nicht groß für Experimente und man sollte die Konjunktive im Duden lassen. Anstatt also eine Verzauberung ins Deck zu packen, die eventuell etwas machen „könnte“, wenn man sie denn nur im richtigen Moment „zöge“ und dazu noch diese andere Karte im Spiel „hätte“, spielt lieber den 2/2-er mit Wachsamkeit für 2 Mana, bei dem man weiß was man hat.

Apropos Mana, wie im dritten Schritt besprochen, solltet ihr ein Auge auf die sogenannte Manakurve haben. Spielt lieber mehr 2- und 3-Mana Karten als euch das Deck mit 5- bis 7-Mana Karten vollzustopfen. Bis die ihren Auftritt haben, ist das Spiel meist schon vorbei.

So wie man das Radfahren mit mehr als zwei Rädern beginnt, braucht ihr übrigens keine Scheu davor haben anfänglich mit 41 Karten in eurem Deck zu spielen. Egal was die anderen, „erfahreneren“ Spieler euch vielleicht erzählen. Wir kommen in späteren Texten darauf zu sprechen, wieso 41 Karten eigentlich eine suboptimale Idee ist, bis dahin lautet die Devise aber „Drauf geschissen!“ 42 hingegen ist kriminell, egal was Douglas Adams behauptet!

Schritt 5) Das Aufwärmen

Bevor ihr damit beginnt das gerade zusammengebaute Billyregal mit euren Büchern zu füllen, klopft das gute Stück auf Schwachstellen ab. Überprüft es auf Standhaftigkeit und sorgt dafür, dass die Regalböden plan sind.

Für euer Draftdeck bedeutet dies, dass ihr es euch in Ruhe anschauen solltet. Meist entdeckt man sinnvolle Synergien zwischen zwei oder mehr Karten, die sich im Spiel als vorteilhaft herausstellen können. Meist hat man eine textreiche Karte nur überflogen und stellt plötzlich fest, dass sie doch nicht so funktioniert wie man annahm. Meist erkennt man plötzlich, dass doch nur 16 Manaquellen im Deck sind, so dass noch ein Land mehr her muss. Da ist es besser dies vor dem Spielen bereits festzustellen.

Auch ein Blick ins Sideboard (alle gedrafteten Karten, die nicht in eurem Deck sind) kann hilfreich sein. Ihr habt eine Karte, die eigentlich zu schwach fürs Deck ist, aber da sie Schutz vor einer Farbe hat, gegen gewisse Gegner plötzlich zum MVP mutiert? Dann wäre es doch dumm, sie nicht gegen diese zu sideboarden, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Oder euer Gegenüber hat euch im ersten Spiel mit einem problematischen Equipment vermöbelt und eine der Karten in eurem Sideboard sagt „Zerstöre ein Artefakt“. Hier könnt ihr darauf hoffen, dass der Gegner das Equipment im zweiten Spiel nicht zieht, oder ihr könnt vorbereitet sein und darauf hoffen, dass ihr euer Gegenmittel zieht. Vergesst nur nicht nach den Matches die Karte wieder ins Sideboard zu verfrachten!

Schritt 6) Das Spielen

Ab hier seid ihr mehr oder minder auf euch alleine gestellt, was okay ist, weil damit kennt ihr euch aus. Es gibt den ein um anderen Ratschlag was das Spielen – gerade den Kampf betrifft – aber das würde hier zu weit führen und soll Stoff für spätere Abhandlungen werden.

Beim Spielen, wie beim Deckbau, ist es vorteilhaft mit den anderen über eure Situation (sei es die 41. Karte oder die Boardsituation, wo sich je fünf Kreaturen auf beiden Seiten in einer vermeintlichen Pattsituation anstarren) zu reden. Zu Beginn wird nicht alles Sinn ergeben, aber mit der Zeit sorgt der Lerneffekt und die wachsende Erfahrung dafür, dass eure Decks ausgereifter sind und euer spielerisches Können zunimmt.

Mir bleibt jetzt nicht mehr viel als auch viel Vergnügen und viel Glück für eure ersten Drafts zu wünschen!

 

Disclaimer: IKEA wird euch vermutlich nicht beim Draft helfen können, auch wenn die für diesen Beitrag verwendete Grafik anderes suggeriert, da könnt ihr dort noch so oft anrufen. Eventuell entstehende Telefonkosten für die Verwendung der Hotline gehen also auf eure eigene Kappe!