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August 2019

30. August 2019

Einsteigerfreundliches Draften – Erste Schritte, Erste Picks

In dieser Woche reihen wir eine weitere Perle nahtlos auf die Kette, die da heißt Einsteigerfreundliches Draften.

Gemäß dem Motto, wer macht, der lernt, und dem anderen vermurksten Motto, fünfzehn Bilder sagen mehr als 1.000 Worte, geht es in der heutigen Ausgabe um den ersten Booster und den Gedanken, die man sich machen kann, während man darüber sinniert, welche der 15 Karten als erste im poteniziellen Deck landen wird.

Zu diesem Zweck haben wir weder Kosten noch Mühen gescheut und sechs Core Set 2020 Booster Packs geöffnet (sieben wären selbst uns zu dekadent; es hilft, dass wir Einzelkarten auf MKM verticken</schleichwerbung>). Diese gehen wir einzeln durch, um nach einigen Vorüberlegungen die Frage aller Fragen zu beantworten: Welches Schweinderl hätten’s gern?

Optimalerweise klärten wir in der letzten Woche bereits, welche präferabel, zweifarbigen Strategien im M20 Draft Zuhause sind. Das wird uns den ein oder anderen Absatz ersparen, da wir die 2-Farben-Taktik stumpf durchziehen. Noch bevor wir die erste Karte überhaupt gesehen haben, können wir also die nächste Frage formulieren: In welches Deck passt die Karte?

Bevor nun euer Geduldsfaden reißt wie die Verbindung eures Mobilfunkanbieters, geht’s stante pede in den 1. Booster.

(Klickt auf eine Karte, um die größere Version zu sehen)

Wir gleiten sanft ins Geschehen und halten den Ball entsprechend flach. Basierend auf der vielfach gepriesenen 2-Farben-Strategie scheint ohne Umschweife das Risen Reef ein potenzieller Kandidat für den ersten Pick zu sein.

Klappert man die zuvor empfohlene Pick-Reihenfolge ab, finden sich weder Karten, die Kreaturen zerstören (Shock nur bedingt, da man damit meist nur Zeug erwischt, was meist vernachlässigbar ist), auch keine Kreaturen mit guten Evasion-Fähigkeiten, die also dank Flying oder Menace nur schwer geblockt werden können, so dass man im Reiter „Kartenvorteil-Erzeuger“ landet. Hier ist das Risen Reef der Superstar, der Held aller Helden und klarer First Pick, wie man im Fachjargon sagt. Dass er die in M20 oft vertretene Elemental-Strategie unterstützt, wie kein Zweiter, ist ein weiteres Indiz. Es ist zudem eine Uncommon, ein Kartentyp, den man statistisch seltener antreffen wird und den man bereits früher aus dem Booster picken will.

Doch wir wollen uns Fragen stellen und da die wichtigsten beiden (welche Karte, welches Deck) bereits gestellt und beantwortet wurden, kann man sich der Frage widmen, welche Karte aus dem Booster vielleicht noch im Deck landet.

Der Booster wird einem schließlich ein zweites Mal unter die Augen kommen. Es ist abwägbar, welche Karten im weiteren Verlauf von den Mitdraftern gepickt werden und kann so eine Prognose wagen. Dazu reicht es bis sieben zu zählen und gedanklich die Karten abzustreichen, die aufgrund ihrer Qualität von den anderen am Tisch gepickt werden. Dies setzt ein wenig Erfahrung voraus, aber am Anfang reicht es, die nächsten sieben „guten“ Karten zu nehmen (unabhängig von der Karte, die man selbst nahm).

Im obigen Booster wären dies vermutlich: Temple of Mystery (einen Rare-Drafter gibt es immer am Tisch), Overcome, Raise the Alarm, Frost Lynx, Winged Words, Shock, Keldon Warrior. Bleiben Ferocious Pup und Mammoth Spider. Zwar keine Elementals, aber da sie Kartenvorteil erzeugen, bzw. sehr gut gegen die Unmengen an Fliegern im Format einsetzbar sind, auch nicht die schlechtesten Picks. Sollte man das Overcome oder gar den Frost Lynx tablen (so bezeichnet man es, wenn man eine Karte aus dem Startbooster wieder vor sich sieht, da sie einmal um den Tisch/Table ging), ist Party-Alarm angesagt.

First Pick: Risen Reef

Erneut grüßt das Risen Reef, diesmal nicht nur in Gesellschaft von Lightning Stormkin, einem weiteren 2-Farben-Fürsprecher, des dedizierten, rot-blauen Flieger-Decks, sondern auch von premium Removal (also Karten, die Kreaturen „zerstören“) wie Pacifism, Agonizing Syphon und Plummet (das wir nur erwähnen, um dagegen zu warnen; es gibt massig Flieger, nur will man keine Karte spielen, die eventuell kein Ziel findet, es ist also reines Sideboard-Material).

Nachdem wir es oben bereits derart gelobt haben, ist klar, dass das Reef den Stormkin übertrumpft. Wie verhält es sich mit dem Removal? Pacifism hat gegenüber dem Syphon den Vorteil, dass es mit jeder Kreatur unabhängig von der Wiederstandskraft fertig wird. Klar kann es entfernt werden, aber Disenchants sind aus gutem Grund (dem Mangel an Zielen) selten in Decks und Thrashing Brontodon ist eine Uncommon, sollte also ebenfalls nicht häufig angetroffen werden. Fürs Syphon spricht, dass es bei Bedarf auf Spieler angewendet werden kann, ein Umstand, der für gewöhnlich aber nicht häufig vorkommt.

Bleibt es also beim Vergleich zwischen Pacifism und Risen Reef, was uns zur nächsten Frage bringt: Wie fest will man sich beim ersten Pick legen? Tendieren wir zum Reef, bedeutet dies, dass wir relativ sicher in Grün und Blau sind. Dies hat den Nachteil, dass für uns im weiteren Dratfverlauf plötzlich drei der fünf Farben aus den Boostern verschwinden, da sie für unser Deck wertlos wurden.

In Situationen wie im ersten Beispiel-Booster kann dies ohne Zögern gemacht werden, weil es ein Risiko ist, welches durch die Qualität der Karte im Vergleich zu den anderen Optionen im Booster relativiert wird. Hier hingegen, gibt es mit Pacifism eine brauchbare Alternative, die den Vorteil hat, dass man flexibler gegenüber den kommenden Picks bleibt. Es stehen neben Weiß noch alle Farben auf dem Menü.

Das Reef wird dennoch der bessere Pick sein, einfach weil es in Kombination mit anderen noch zu pickenden Karten die nettere Figur macht und im Endeffekt ein hoffentlich synergisches Deck gedraftet wird.

First Pick: Risen Reef oder Pacifism

Endlich mal eine Mythic Rare, der Cavalier of Flame, eine nette Kreatur mit einem netten Effekt, das sollte ein kurzer Abschnitt werden.

Eigentlich ja. Mit Reduce to Ashes ist zwar die perfekte Antwort gleich mit im Booster, aber nur weil der Cavalier fünf Mana kostet, muss man ihn ja nicht direkt im 5ten Zug auspielen. Wenn man sieben Mana auf dem Tisch und vielleicht ein, zwei Länder noch auf der Hand gesammelt hat, ist er gleich um einiges effektiver. Plötzlich wird es zum 7/5 Haste-Elementar, das zwei Karten zieht, wenn es ins Spiel kommt, und mindestens zwei Schaden macht, wenn es das Spiel wieder verlässt.

Doch selbst hier kann man ins Grübeln kommen. Die Frage nämlich, welche Karte der Nebenmann aus dem Booster picken wird, nachdem wir uns den Cavalier gönnten, hat zwar für den ersten Booster (weil wir die Fütternden sind) keinerlei Relevanz, wird aber im zweiten Booster zum Alpha und Omega. Im zweiten Booster bekommt man von dem Spieler zur Linken nämlich die Karten gereicht und die Entscheidungen, die er im ersten Booster traf, fallen auf uns zurück. Das lässt sich nur bedingt beeinflussen, aber die sogenannten Signale, die man weitergibt (so wie die, die man von seinem Vordermann zur Rechten im ersten Booster erhält, die für den dritten Booster wieder relevant werden), können und sollten gedeutet werden. Wir veranschaulichen das näher im nächsten Booster.

First Pick: Cavalier of Flame

Um nun zu vermeiden, dass einer der beiden Nebendrafter (zur Wiederholung: der Rechte beeinflusst Booster 1 und 3, der Linke das zweite Pack) in denselben Farben wie man selbst landet (weil sich dadurch die eigene Kartenqualität verbessert), kann man entweder versuchen, sie mit entsprechenden „Geschenken“ in eine Richtung zu lenken oder durch gezielte „Entnahmen“ davon abhalten dieselbe Ausfahrt zu nehmen.

Die Auswirkung der Entnahmen lassen sich dabei nicht alleine durch den ersten Pick bewerkstelligen. Diese kristallisieren sich erst im Verlaufe des Drafts heraus und sind ohne die Mithilfe (entweder aktiv, weil sie auf Signale achten, oder passiv, einfach weil sie stur zwei Farben draften, was man einfach mitbekommt) der Nebendrafter kaum zu realisieren. Deswegen konzentrieren wir uns auf die Geschenke.

Nehmen wir im Booster hier statt einer der drei schwarzen Karten (über die man sich als Schwarz-Spieler immer freuen wird) das Rabid Bite, um wie beim Pacifism oben flexibler zu bleiben ohne zu sehr an Qualität einzubüßen, signalisieren wir dem Spieler, der die Karten als nächstes erhält, dass wir unter anderem auf eine schwarze, spielbare Rare verzichtet haben und stattdessen eine unbekannte Common oder eine Foilkarte mit unbestimmter Seltenheit pickten. Es könnte eine schwarze Common sein, Murder offensichtlichstes Beispiel, was aber unwahrscheinlich ist, da wir ja diese Blog-Reihe lasen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Schwarz also nicht angefasst haben, ist hoch, so dass sich unser Nebenmann dafür entscheiden könnte. Er wüsste nun relativ sicher, dass er von uns problemfrei weitere schwarze Karten erhält und wir haben den Vorteil, dass wir im zweiten Booster aus seiner Richtung zwar keine schwarzen Karten, aber freizügig Geschenke von mindestens drei anderen Farben erhalten. Ein Konflikt wurde vermieden und alle sind glücklich.

Selbst wenn der andere keinen Plan von Signalen hat, dürfte die schwarze Rare der sprichwörtliche Wink mit dem Zaunpfahl sein. Es ist also zum einen abzuwägen, wie gut der Spieler ist, zum anderen aber auch, ob es sich für einen selbst lohnt. Wäre anstatt des Embodiment of Agonies zum Beispiel der Cavalier of Night im Pack, sähe die Sache anders aus. Man opfert (pun intended) zu viel Qualität, um den Spieler zu beeinflussen.

Das Thema „Signale“ ist ein komplexes, zu dem man Traktate von Freud’scher, Kant’scher und zum Teil Kafkaesquer Quali- wie Quantität verfassen könnte, was wir weder wollen noch beabsichtigen. Wir belassen es also vorerst bei diesen Absätzen, werden es aber gelegentlich aufgreifen. Bis dahin zwei Gedankenexperimente, die man selbst durchkauen kann:

Finale Floskeln

Nachdem der Grundstein nun wortwörtlich gelegt ist, der erste Pick wurde gleich viermal gemacht, seid ihr an der Reihe. Bis es nächste Woche mit einem kompletten Draft weitergeht – so die Technik will – könnt ihr euch an den beiden folgenden Boostern selbst versuchen. Wir haben zuunterst eine passende Kommentarfunktion. Wer es uns also gleichtun möchte, kann seine Ideen zu den Boostern öffentlich unter dem Text hier preisgeben.

Bonus Booster #1
Bonus Booster #2

26. August 2019

Planbare Prereleases zur Thron von Eldraine-Edition

Anfang Oktober (der 4. to be precise) steht eine neue Magic-Edition ins Haus. Der Thron von Eldraine soll bestiegen werden und wenn das kein Grund zum Singen und Feiern ist, dann wissen wir auch nicht.

Der Partybus fährt bereits am Prerelease-Wochenende Ende September (inkl. des Freitags also vom 27. bis zum 29.) ab und wir haben heute die Voranmeldungen zu unseren Events gestartet.

Die Termine im Einzelnen:

  • Freitag, 27. September, 15 Uhr – Single Sealed
  • Freitag, 27. September, 19 Uhr – 2-Headed Giant Sealed
  • Samstag, 28. September, 11 Uhr – Single Sealed
  • Samstag, 28. September, 15 Uhr – Single Sealed

Weitere Details wie immer auf unserer Veranstaltungs-Seite. Voranmeldungen per Mail, telefonisch und im Laden möglich. Die Plätze sind begrenzt, wir empfehlen also schnell zu handeln!

Wir werden die in Kürze beginnenden Previews hier im Blog wiederkäuen. Bis es soweit ist, haben wir die passende Hymne aus Muttis Plattenschrank gekramt, die eine gelungene musikalische Untermalung fürs Feiern und gerade fürs Mitsingen liefert. So ein neues Set will schließlich gebührend eingeläutet werden!

16. August 2019

Einsteigerfreundliche Drafts – Zweisamkeiten

Nach der ganzen Theorie der letzten Wochen, wollen wir ab dieser Woche in media res gehen, wie die Römer seinerzeit sagten, also mitten ins Vergnügungszentrum, wie man unsererzeit leider viel zu selten von sich gibt.

Thema ist immer noch der Draft, genauer der mit Core Set 2020, wie er heute Spät-Nachmittags wieder in unzähligen Hobbystores zelebriert wird. Dieser eignet sich für unsere didaktischen Zwecke aufgrund seiner mangelnden Komplexität am besten. Die Fähigkeiten sind überschaubar, das Board ist nicht Planeswalker-überbevölkert und es reiht sich fast nahtlos in das bisher Erlernte ein – so als hätten wir’s geplant – weil die vielfach gepredigte Zweifarbigkeit in den Mittelpunkt bugsiert wird.

Was eigentlich explizit draften?

Generell gibt es zwei Herangehensweisen. Wir draften entweder nur gute Karten, in der Hoffnung, dass die damit verbundene, individuelle Qualität ausreicht, dem Gegner das Gewinnen zu erschweren. Oder wir draften ein Deck mit Synergien und kleineren Combos, die ein qualitativ hochwertiges Ganzes ermöglichen. Beide Strategien haben ihre Vor- und Nachteile. Für den Beginner ist letztere vorteilhafter, weil nicht die zu Beginn schwer zu beantwortende Frage, was ist letztlich gut, im Vordergrund steht, sondern die Frage, welche Decks gibt es eigentlich.

Nun entwirft Wizards seine Sets netterweise weniger im Stile von Look at me, I’m the DCI sondern mit genau dieser Fragestellung im Fokus. Sie erzählen einem sogar vorher davon und es gibt im Set genug Anhaltspunkte, so dass man schnell erkennt, aus welcher Richtung der Wind weht.

Waren es in den vergangenen beiden Ravnica-Sets zum Beispiel noch die Gilden, die bestimmten, wo es lang ging, sind es im Core Set 2020 alle zehn Zweifarbkombinationen, die sich für ein Draftdeck eignen. Damit nicht genug, finden sich gleich zehn Uncommons, welche optimal für das jeweilige Deck sind und einem bereitwillig den Weg weisen:

Corpse Knight
Creeping Trailblazer
Empyrean Eagle
Ironroot Warlord
Lightning Stormkin
Moldervine Reclamation
Ogre Siegebreaker
Risen Reef
Skyknight Vanguard
Tomebound Lich

Jede dieser Karte stellt eine valide Strategie für ein Draftdeck dar und man muss nicht mal die Karte selbst im Deck haben, um damit gegen andere bestehen zu können (wobei es schon hilft). Es braucht auch keine fetten Rares, meist kommt man mit Commons und Uncommons gut über die Runden und Wizards hat dafür gesorgt, dass in der M20 Setliste eine gute Mischung vertreten ist.

Wir machen dies nun am Beispiel zweier der zehn Karten deutlich (für eine Dritte sei auf das Siegebreaker-Deck der letzten Woche, sowie auf den letzten Absatz in diesem Text verwiesen).

Corpse Knight & Ironroot Warlord

Die beiden teilen sich nicht nur eine Farbe sondern sind sich, was die mit Ihnen verbundene Strategie betrifft, sehr ähnlich, wobei es einen bedeutenden Unterschied gibt, nämlich wie gewonnen wird.

Der Corpse Knight ist in der Lage das Spiel sozusagen aus der Ferne zu gewinnen. Theoretisch kann man mit ihm auf dem Feld gewinnen ohne den Gegner jemals angegriffen zu haben. Dies ist mühsam, zeitlich aufwändig und somit weniger empfehlenswert, aber eben eine Möglichkeit. Karten wie Sorcerer of the Fang, Vampire Opportunist und selbst Epicure of the Blood unterstützen diese Herangehensweise.

Der Ironroot Warlord gewinnt Spiele in dem das Board mit Kreaturen und Token übervölkert wird. Die Masse macht’s, und statt dem Gegner nach und nach die Lebenspunkte zu nehmen, wird es meist ein singulärer, finaler Angriff sein, der dem Gegenspieler das Licht ausknippst. Hier sind es Overcome, Inspiring Captain, bzw dessen Inspired Charge, die helfen den Schalter zu finden.

Doch zurück zu den Gemeinsamkeiten, wie den Tokens. Weiße Karten wie Raise the Alarm, Master Splicer und multiple Kopien von Battalion Foot Soldier machen in beiden Decks eine gute Figur. Schwarz hat mit Boneclad Necromancer sowie dem Undead Servant im Common-Slot die passenden Grundsteine, während Grün weniger gut bestückt scheint, aber noch Ferocious Pup und Howling Giant präsentieren kann. Beide Farben freuen sich über Pattern Matcher, der zwar keine Spielsteine mitbringt aber dafür sorgt, dass die Flut an Kreaturen nicht abnimmt. Zudem ist er/sie/es ein Golem und wird wiederum vom Master Splicer gepumpt.

Diese scheinbar zufälligen Synergien sind nicht selten. Ein Griffin Protector freut sich zum Beispiel sehr darüber, wenn mehr als eine Kreatur ins Spiel kommt, mit einem Raise the Alarm in der Hinterhand holt man plötzlich ein Air Elemental vom Himmel. Groß zur Schwarz-Weißen Deckstrategie beitragen wird er aber nie, wobei er zwischendurch bereits an den Lebenspunkten des Gegners nagen kann.

Wir haben uns auf die Commons und Uncommons beschränkt, da man diese eben häufiger antreffen wird. Im Rare-Bereich sind exemplarisch Hanged Executioner, Dread Presence sowie Wakeroot Elemental zu nennen. Die machen auf sich alleine gestellt bereits einen hervorragenden Eindruck und werden unabhängig der Strategie immer ihren Platz im Deck finden, füllen zudem gleichzeitig die Rolle als Bombe plus Support, die einem Deck eine gewisse Note und Qualität verpassen können.

Aller guten Dinge sind Zwei

Der ein oder andere wird sich jetzt vermutlich fragen, wieso nicht dreifarbig spielen und das beste aus beiden Welten in einer vereinen? Ohne Frage bilden Ironroot Warlord und Corpse Knight ein ideales Team. Jede Aktivierung des einen triggert die Fähigkeit des anderen, da braucht es nicht lange, bis der Gegner einschiebt.

Dieser Umstand ist gewollt und wurde von Wizards mit Blick auf den Draft so im Set verwirklicht. Schaut man sich die anderen Kombinationen an, wird man viele davon zusammenstecken können. Skyknight Vanguard hätte im obigen Beispiel sowohl den Warlord als auch den Corpse Knight ersetzen können. Dass Risen Reef, Creeping Trailblazer und Lightning Stormkin alle Elementals sind, ist ebenfalls kein Zufall. Meist gibt es sogar eine farblich passende, drei-farbige Mythic Rare (wobei hier verraten werden kann, dass im Draft nur Omnath, Locus of the Roil eine gute Figur machen wird).

Dennoch bleiben wir dabei, dass zweifarbig die für Draft-Anfänger sinnvollste Strategie ist. Man lernt zum einen, wie man ein brauchbares Deck draftet (und wir hoffen, der heutige Text hilft dabei). Viel wichtiger aber lernt zum anderen, die Finger bei sich zu behalten. Öfter erlebt man Spieler am Tisch, die nach dem Draft mit trüben Blick vor ihren Karten sitzen und sich wundern, wie sie daraus denn noch was spielbares zaubern können. Zu häufig sind sie während des Draft vom Eigentlichen abgewichen. Da wurde hier mal eine dritte Farbe genommen, da mal eine Karte, die zwar qualitativ hochwertig ist aber gar nicht ins Konzept passt, und am Ende hat man nix halbes und nix ganzes. Das kann und sollte man vermeiden.

Auch im Hinblick auf spätere Konzepte, wie Hatepicking, Splashes oder das sagenumwobene 5-Color Goodstuff Deck, ist es sinnvoller, dass man erstmal sicher auf zwei Beinen steht, bevor man sich an den komplexeren Disziplinen versucht. Ergo brav zweifarbig bleiben.

Hellsicht

Nachdem wir heute aufzeigten, welche Strategien es zu verfolgen gibt, zoomen wir in der nächsten Woche näher heran und gucken tiefer ins Glas, um die Frage nach der Qualität der einzelnen Karte, die sich stets auf die Pickreihenfolge (quasi was wann aus den Boostern genommen werden sollte) auswirkt, zu beantworten. Bis dahin empfehlen wir einen Blick auf den M20 Spoiler zu werfen und ihn mit den oben genannten zehn Karten im Hinterkopf tiefergehender zu studieren.

Es ist sehr aufschlussreich und interessant was einem dabei alles auffällt. Im letzte Woche geposteten Deck versteckten sich zum Beispiel ein Heart-Pierce Bow sowie ein Retributive Wand im Sideboard. Während der Wand zu teuer ist (und sowohl Destructive Digger als auch Reckless Air Strike fehlte), hätte der Bow in Verbindung mit dem Duo Ogre Siegebreakers ganze Arbeit leisten können. Die Qualität der anderen Karten war definitiv zu hoch, so dass für den Bow kein Platz war, doch das ist definitiv ein Luxusproblem, welches man nicht in jedem Draft haben wird.

14. August 2019

Ringelpiez mit Anfassen – Details zum Commander 2019 Event

Der Release der Commander 2019 Decks am 23. August ist wahrlich ein Grund zum Feiern und zum Tanzen!

Die Decklisten sind nun alle bekannt (neue Karten finden sich hier, weil Wizards die irgendwie nicht anzeigt) und der Inhalt kann sich sehen lassen. Über den erhöhten Preis haben wir uns an anderer Stelle bereits die Finger wund getippt, also lenken wir unser Augenmerk auf das Commander Weekend (am 24. und 25. August; bei uns am Samstag, den 24.), das einen Tag nach dem Release eingeläutet wird.

Wizards und wir laden dazu ein, die frischen Commander Decks in einem speziellen Format Probe zu fahren. Statt mit nur einem Commander darf man, so man mindestens eins der neuen Decks sein Eigen nennt und damit spielt, alle drei relevanten Legenden des Decks als Commander nutzen. Da wird es eng in der Command Zone!

Als wäre dies nicht genug – und hier kommen wir zum Ringelpiez (und zum Anfassen) – hat sich Wizards ein Sextett an Bedingungen ausgedacht, für deren Erreichen man mit netten Preisen belohnt wird:

  • Wirke in einem Zug drei Spontanzauber und/oder Hexereien.
  • Wirke einen Planeswalker und eliminiere einen gegnerischen Planeswalker in derselben Partie.
  • Sage den Anekdotentext in der Stimme deines Kommandeurs auf.
  • Wirke deinen Kommandeur fünfmal in derselben Partie.
  • Greife zwei oder mehr Gegner während eines einzigen Angriffs an.
  • Biete deinem Gegner ein „High Five“ an, wenn ihr beide zwei legendäre bleibende Karten kontrolliert.

Teilnahme ist kostenfrei (so ihr mindestens eins der Commander Decks bei uns erworben habt und damit spielt) und gezockt wird in fröhlichen Multiplayer-Runden von 11 Uhr früh bis 15 Uhr spät!

Also kommt vorbei!

9. August 2019

Einsteigerfreundliche Drafts – Die Kurzfassung

Wir haben für unser Werk zur IKEA-Methode aus der letzten Woche leider nicht nur Lob kassiert. Es soll nicht alles wiedergekäut werden, aber wie in schlechten Witzchen von Mario Barth scheint die Länge eine prominente Rolle zu spielen. Kennste, ne?

Zu lang, zu ausgeleiert, zu selbstverliebt (moi?), wer soll sich das denn alles merken, die Regelauslegungen zu Banding wären a) kürzer und b) einfacher zu verstehen, einer ist gar zweimal kurz eingenickt und eine letzte wiederum hat sich dagegen entschieden den Text auszudrucken, da sie befürchtete, dass dies der Umwelt und unserem Planeten den letzten Rest geben würde (Mütter können so gemein sein), etc.

Deswegen hier die verkürzte Version im Checklisten-Format. Die lässt sich bedenkenlos ausdrucken und man hat alles Wissenswerte in der Hand, um die ersten Drafts zu bestreiten.

Karten picken
  • maximal zweifarbig
  • gute Karten picken:
    1. Karten, die Kreaturen zerstören
    2. Kreaturen mit Flying, Deathtouch, Menace
    3. Karten (bevorzugt Kreaturen), die Kartenvorteil erzeugen
  • Manakosten beachten; Bedarf für Deckbau:
    • 1 & 2 Mana: 5 – 7 Karten
    • 3 Mana: 5 – 7 Karten
    • 4 Mana: 4 – 6 Karten
    • 5, 6, 7+ Mana: insgesamt 3 – 6 Karten
  • zwischen den Boostern gepickte Karten checken!
Deck bauen
  • 40, maximalst 41 Karten
  • 17 Länder – exakt!
  • 16 – 20 Kreaturen bzw. Karten, die Kreaturen erzeugen
  • 3 – 7 Nicht-Kreaturen Karten
  • Manakosten, siehe oben
Fertig

Da ist sie nun, die „Erfolgsformel“ im Spickzettelformat für die ersten Drafts. Mit mehr Draft-Erfahrung werdet ihr von den oben genannten Zahlen abweichen, aber ich empfehle mindestens eine Hin- und eine Rückrunde mit diesem Kader.

Wie wiederholt angekündigt, werden wir – immer wieder Freitags vermutlich, weil dann draften wir im Store – weitere Texte zum Thema bringen. Bis dahin ein Blick auf ein Core Set 2020 Draft-Deck, gegen das letzte Woche die Gegner jeweils den Kürzeren zogen und welches sich sehr nah an der Formel orientiert:

Rot & Schwarz M20 (40)
Vampire of the Dire Moon
Mask of Immolation
Blood Burglar
Ember Hauler
Sorcerer of the Fang
Pack Mastiff
Marauder’s Axe
Audacious Thief
Barony Vampire
Glint-Horn Buccaneer
Murder
Soul Salvage
Ogre Siegebreaker
Keldon Raider
Chandra’s Outrage
Agonizing Syphon
Gruesome Scourger
Mountain
Swamp

7. August 2019

Auf der Mauer, auf der Lauer…

Wie gut, dass Ferien sind. Wir haben unsere Öffnungszeiten für die menschenleere Zeit angepasst und auch sonst scheinen die Aktivitäten zwischen abkühlen und chillen zu schwanken.

Wäre da nicht der Commander 2019 Release. Wizards heizt uns in dieser Woche mit den Decklisten ein, die im täglichen Rhythmus auf der hier verlinkten Seite in die Sonne gezerrt werden. Gestern war es das komplette Morph-Deck, heute das Flashback-Deck und zwischendurch wirft man Karten wie die folgende unter die Leute:

Da heißt es Wasser Marsch! Der Körper weiß nicht recht ob er sabbern oder schwitzen soll, dass es nach Regen aussieht fördert die Verwirrung…

Bleibt nur „Refresh, Refresh, Refresh!“ Und zwar die folgenden beiden Webseiten: Die Spoiler-Seite zu Commander 2019 von Scryfall und die Seite von Wizards mit den Decklisten. Da gibt es auch Videos von Leuten, die euch die Karten vorlesen, wenn ihr es mit dem Chillen zu genau nahmt.

5. August 2019

Commander 2019 – Beeindrückend

Über die letzten Tage hinweg tummelte sich Wizards of the Coast auf der Gen Con in den USA, um dort im großen Stile Werbung für sich und Magic zu machen. Bedenkt man, dass Magic auf der Gen Con 1993 zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hat es fast schon Pflichttermin-Charakter für das Spiel.

Im Fokus dieses Jahr die neue, goldene Eier legende Gans im Stall, Magic Arena, aber netterweise auch Commander 2019, das Quartett vorkonstruierter Decks, die ab dem 23. August in den Ladentheken eures Vertrauens zum Verkauf bereitstehen werden. Wir selbst haben just gerade den Vorverkauf im Laden und hier im Online-Shop begonnen!

Eigenwerbung ist aber nicht alles was heute auf dem Programmzettel steht. Es gibt zusätzlich die Themen der Decks und die ersten offiziellen Karten zum Release. Deswegen ohne weitere Umschweife:

Die Decks (gibt es auch auf Deutsch, aber hier sind die Namen noch im Dunklen):

  • Faceless Menace – Ein schwarz, grün, blaues Deck (aka Sultai) zum Thema Morph und Megamorph
  • Mystic Intellect – Wer gerne Sprüche aus dem Friedhof zaubert (Flashback und Co), ist beim Jeskai-gefärbten (UWR) Deck richtig
  • Primal Genesis – Naya (GWR) spielt hier die Hauptrolle und Populate sowie entsprechende Token stehen auf der Speisekarte
  • Merciless Rage – Zweifarbiges Rakdos (BR)-Deck, bei dem Madness auf die Bühne gezerrt wird

Die ersten Karten (unsortiert und unkommentiert, weil wir euch nicht alles vorkauen wollen):

Jeweils neue Spoiler hält die Scryfall-Seite bereit, die wir für solche Sachen nur empfehlen können! Wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten, sind aber nie so schnell wie die Kollegen dort.

Fragen, Meinungen und Deckideen zu den Karten können in den Kommentaren gepostet werden.

2. August 2019

Einsteigerfreundliche Drafts – Die IKEA-Methode

Wir haben bei unseren FNM-Drafts (immer Freitags, 17:30 Uhr; Details hier) öfter Neulinge am Tisch sitzen, die zwar gepflegt die Karten bei einer Runde Commander drehen, aber mit dem Limited-Teil von Magic, außer beim Prerelease-Pflichtbesuch natürlich, nie groß in Berührung kommen.

Um diesen und anderen Neugierigen die Scheu vor dem Sprung ins kalte Draft-Wasser zu nehmen, folgt eine nützliche Anleitung, die einen in kleinen, nicht zu komplexen Schritten an das Thema heranführt. Ein Schema F, wenn man so will, mit dem sich die ersten Drafts angstfrei und freudenreich meistern lassen. Es garantiert einen reibungslosen Draft-Verlauf an dessen Ende ein brauchbares Deck steht mit dem ihr beim FNM die ein oder andere Runde für euch entscheiden werdet.

Wir werden in zukünftigen Texten – am Beispiel des Core Set 2020 Draft-Formats – tiefer in die Materie eindringen, um das hier Erlernte sinnvoll auszubauen. Doch erstmal verzichten wir auf zu viele Tangenten und bleiben strikt bei der Sache (wir versuchen es zumindest).

Schritt 1) Das Werkzeug

Für einen Draft braucht es nicht viel:

  • 6 oder 8 Spieler – eine gerade Anzahl hat Vorteile, da Draft in der Regel in Duellen 1 gegen 1 gespielt wird; wenn ihr nicht genug Spieler habt, schaut bei dem Hobby-Store in eurer Nähe nach, da gibt es meist wöchentliche Drafts mit ausreichend Spielern. Wer’s zuerst solo versuchen will, findet auf Magic Arena praktikable Möglichkeiten.
  • 3 Booster Packs je Spieler; sinnvollerweise alle aus derselben Edition; aktuell eignet sich das Core Set 2020 hervorragend für den Draft-Einstieg
  • 40 – 50 Hüllen, die Karten können und sollen später ja noch in irgendwelchen Constructed-Decks Verwendung finden
  • Zettel & Stift, eine handvoll Würfel für Lebenspunkte und +1/+1 Marken oder so

Schritt 2) Wie Draften

Die Spieler setzen sich um einen Tisch und jeder Spieler hat seine drei Booster Packs verschlossen vor sich liegen. Alle öffnen zeitgleich einen ihrer Booster, so dass nur sie den Inhalt sehen können, nehmen sich eine Karte, ebenfalls nur für einen selbst sichtbar, und geben die restlichen Karten an ihren Nebendrafter weiter. Hierbei gilt, dass die Karten aus dem 1. und 3. Booster nach links (also mit dem Uhrzeiger) und die Karten aus dem 2. Booster nach rechts (also gegen den Uhrzeiger) gereicht werden. Die Karten, die man gereicht bekommt, werden dabei weniger und der vor einem liegende Stapel mit den gepickten Karten immer größer. Am Ende hat jeder Spieler 45 Karten aus denen in Schritt 4 des Deck gebaut wird.

Schritt 3) Was Draften

Kommen wir zum Eingemachten. Es gibt vermutlich Dissertationen zu diesem Thema und schon vor Release einer Edition überschlagen sich die bekannteren Strategie-Seiten im Netz mit Listen, die einem vorgeben in welcher Reihenfolge das Set zu draften ist. Wer einen Blick in die Zukunft werfen will, kann mal DuckDuckGo mit den Suchworten „Magic BREAD theory“ füttern, wobei selbst diese teilweise umstritten ist.

Wir wollen es einfach halten, quasi kleine Brötchen packen bevor wir uns an die 4-stöckige Torte wagen.

Draftet gute Karten – Ja, es ist wirklich so einfach. Zu Beginn wird euer Verständnis für die Kartenqualität im Draft nicht sonderlich hoch sein, aber ihr seid bereit zu lernen, was schon mal der erste Schritt ist.

Was also ist gut? Wir wollen es simpel halten, deswegen hier die gröbste alle groben Einteilungen als Antwort:

  • Karten, die Kreaturen zerstören (vor allem Kreaturen, die Kreaturen zerstören können!)
  • Kreaturen mit Flying, Deathtouch und bedingt Menace
  • Kreaturen, die anderweitig Kartenvorteil erzeugen
  • Der Rest

In keinen anderen Formaten spielt der Kampf und somit die Kreaturen eine so wichtige Rolle wie im Sealed und im Draft. Spiele werden zu 99,8% durch Kreaturen gewonnen, weswegen man ihnen besondere Beachtung schenken sollte.

Bleibt zweifarbig – Gerade in den ersten Picks ist es verlockend die Rosinen aus dem Kuchen zu picken und sich dabei in jeder Farbe zu bedienen. Das führt eher zu Frust als zum Erfolg und es ist sinnvoller ein Deck zu draften, dass konsistent seine Kreaturen spielen und gegnerische Kreaturen vom Feld nehmen kann, als eins, dass nie dazu kommt etwas zu machen, weil immer die falschen Länder auf dem Tisch liegen.

Achtet auf die Manakosten – Konzentriert euch hierbei primär auf die Kreaturen, die den Grossteil eures Decks ausmachen werden. Generell gilt, dass es sinnvoll ist fünf bis sieben Kreaturen zu spielen, die zwei Mana kosten, ähnlich viele, die drei Mana kosten, und vier bis fünf Kreaturen mit umgewandelten Spruchkosten von vier. Da bleibt nicht mehr viel Platz für die teureren Karten, so dass von den 5,6,7-Drops nur maximal vier bis sechs Exemplare im Deck landen.

Dies sorgt dafür, dass ihr aktiv am Spiel teilnimmt, weil ihr immer etwas haben werdet, was ihr legen könnt, statt dem Gegner dabei zuzusehen, wie er einen mit seinen 2-Drops vors Schienbein tritt, während in eurer Hand die 6-Mana Klopper versauern.

Habt ein Auge auf eure gedrafteten Karten – Das Wichtigste was man während des Drafts machen kann, ist zwischen den Boostern das Gedraftete kurz zu begutachten. Nachdem der 1. oder 2. Booster leergedraftet ist und die meisten sich wie die sprichwörtlichen Geier auf das nächste Pack stürzen wollen, habt ihr die Gelegenheit die bereits gedrafteten Karten zu sichten. Achtet primär darauf, dass ihr genug Kreaturen habt (siehe oben und unten) und sortiert vielleicht kurz nach Manakosten, um zu sehen, ob es Lücken gibt, die man füllen sollte. Beides wird dafür sorgen, dass der nächste Schritt um ein vielfaches angenehmer wird.

Schritt 4) Der Deckbau

In einer IKEA-Anleitung wäre hier abgebildet, welche zuvor nummerierte Schraube für welches angep(f)eilte Loch zu verwenden wäre. Bei einem Draft hat man aber weder zuvor festgelegte Schrauben noch Löcher und erst recht keine Pfeile. Das Interessante am Draft ist es ja gerade, dass man nicht weiß, ob man Schrauben, Nägel oder eben diese komischen Holzstifte bekommt. Teilweise wird man nicht mal das richtige Werkzeug in Händen halten, aber trotzdem sollte das Endergebnis einigermaßen gerade stehen.

Statt Zeichnungen also harte Zahlen. Ein Draftdeck muss mindestens 40 Karten beinhalten:

  • 17 davon sind für die Manabasis (Standardländer und irgendwelche zweifarbigen Manaquellen, wie sie in letzter Zeit immer im Booster zu finden sind; Standardländer müsst ihr dabei nicht aus den Booster nehmen, die kann man von außen dazumischen)
  • 16 – 20 Karten sollten Kreaturen sein; im Draft kommt es zu meist epischen Schlachten auf dem Spielfeld und es gewinnt derjenige, der mit seinen Kreaturen die meisten und vor allem den letzten Schadenspunkt ausgeteilt hat
  • 3 – 7 Karten sind Nicht-Kreaturen, also Instants, Sorceries, Enchantments, Artefakte und/oder Planeswalker; Karten, die Token produzieren, kann man großzügig zu den Kreaturen zählen

Ganz so hart sind die Zahlen nun doch nicht. Die Mischung aus Kreaturen und Nicht-Kreaturen wird immer schwanken. Wichtig ist, dass ihr ausreichend Kreaturen habt (also beim Draften drauf achten!) und, dass ihr exakt 17 Länder spielt. Ignoriert alle, die euch am Anfang etwas anderes erzählen wollen (Abweichungen werden später behandelt); 17 ist die magische Zahl für die Manabasis eines Draftdecks!

Die ersten Drafts eignen sich nicht groß für Experimente und man sollte die Konjunktive im Duden lassen. Anstatt also eine Verzauberung ins Deck zu packen, die eventuell etwas machen „könnte“, wenn man sie denn nur im richtigen Moment „zöge“ und dazu noch diese andere Karte im Spiel „hätte“, spielt lieber den 2/2-er mit Wachsamkeit für 2 Mana, bei dem man weiß was man hat.

Apropos Mana, wie im dritten Schritt besprochen, solltet ihr ein Auge auf die sogenannte Manakurve haben. Spielt lieber mehr 2- und 3-Mana Karten als euch das Deck mit 5- bis 7-Mana Karten vollzustopfen. Bis die ihren Auftritt haben, ist das Spiel meist schon vorbei.

So wie man das Radfahren mit mehr als zwei Rädern beginnt, braucht ihr übrigens keine Scheu davor haben anfänglich mit 41 Karten in eurem Deck zu spielen. Egal was die anderen, „erfahreneren“ Spieler euch vielleicht erzählen. Wir kommen in späteren Texten darauf zu sprechen, wieso 41 Karten eigentlich eine suboptimale Idee ist, bis dahin lautet die Devise aber „Drauf geschissen!“ 42 hingegen ist kriminell, egal was Douglas Adams behauptet!

Schritt 5) Das Aufwärmen

Bevor ihr damit beginnt das gerade zusammengebaute Billyregal mit euren Büchern zu füllen, klopft das gute Stück auf Schwachstellen ab. Überprüft es auf Standhaftigkeit und sorgt dafür, dass die Regalböden plan sind.

Für euer Draftdeck bedeutet dies, dass ihr es euch in Ruhe anschauen solltet. Meist entdeckt man sinnvolle Synergien zwischen zwei oder mehr Karten, die sich im Spiel als vorteilhaft herausstellen können. Meist hat man eine textreiche Karte nur überflogen und stellt plötzlich fest, dass sie doch nicht so funktioniert wie man annahm. Meist erkennt man plötzlich, dass doch nur 16 Manaquellen im Deck sind, so dass noch ein Land mehr her muss. Da ist es besser dies vor dem Spielen bereits festzustellen.

Auch ein Blick ins Sideboard (alle gedrafteten Karten, die nicht in eurem Deck sind) kann hilfreich sein. Ihr habt eine Karte, die eigentlich zu schwach fürs Deck ist, aber da sie Schutz vor einer Farbe hat, gegen gewisse Gegner plötzlich zum MVP mutiert? Dann wäre es doch dumm, sie nicht gegen diese zu sideboarden, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Oder euer Gegenüber hat euch im ersten Spiel mit einem problematischen Equipment vermöbelt und eine der Karten in eurem Sideboard sagt „Zerstöre ein Artefakt“. Hier könnt ihr darauf hoffen, dass der Gegner das Equipment im zweiten Spiel nicht zieht, oder ihr könnt vorbereitet sein und darauf hoffen, dass ihr euer Gegenmittel zieht. Vergesst nur nicht nach den Matches die Karte wieder ins Sideboard zu verfrachten!

Schritt 6) Das Spielen

Ab hier seid ihr mehr oder minder auf euch alleine gestellt, was okay ist, weil damit kennt ihr euch aus. Es gibt den ein um anderen Ratschlag was das Spielen – gerade den Kampf betrifft – aber das würde hier zu weit führen und soll Stoff für spätere Abhandlungen werden.

Beim Spielen, wie beim Deckbau, ist es vorteilhaft mit den anderen über eure Situation (sei es die 41. Karte oder die Boardsituation, wo sich je fünf Kreaturen auf beiden Seiten in einer vermeintlichen Pattsituation anstarren) zu reden. Zu Beginn wird nicht alles Sinn ergeben, aber mit der Zeit sorgt der Lerneffekt und die wachsende Erfahrung dafür, dass eure Decks ausgereifter sind und euer spielerisches Können zunimmt.

Mir bleibt jetzt nicht mehr viel als auch viel Vergnügen und viel Glück für eure ersten Drafts zu wünschen!

 

Disclaimer: IKEA wird euch vermutlich nicht beim Draft helfen können, auch wenn die für diesen Beitrag verwendete Grafik anderes suggeriert, da könnt ihr dort noch so oft anrufen. Eventuell entstehende Telefonkosten für die Verwendung der Hotline gehen also auf eure eigene Kappe!