Wie einige von euch mitbekommen haben, wird Magic teurer. Es beginnt mit dem in Kürze erscheinenden „Commander 2019“-Release und wird im Oktober mit „Throne of Eldrain“ durch die komplette Produktpalette (also nicht nur Booster bzw. Displays) ungefragt fortgesetzt.

Dies ist jetzt nicht das Ende der Welt, sorgt aber für den ein oder anderen erhitzten Kommentar in Spielgruppen, im Laden und gerade im Social Media Bereich, der ja dafür bekannt ist immer einen kühlen Kopf zu bewahren… [eyeroll emoji]

Statt das Gesumme und Gebrumme mit unserer eigenen, sowieso zu vernachlässigenden Meinung zu verstärken, werfen wir in den folgenden Zeilen einen Blick auf die uns bekannten Fakten und versuchen Logik walten zu lassen. Das sicherlich nicht immer wertfrei, aber so subjektiv es aus der Warte eines Händlers eben möglich ist.

„Ist doch alles Geldmacherei!“

No forking shirt, Sherlock!

Wizards of the Coast (WotC) ist nun mal eine Firma mit wirtschaftlichen Interessen. Eine nicht gerade kleine Firma, die zu Hasbro (einer noch größeren Firma) gehört. Magic ist neben Dungeons & Dragons deren beste Beteiligung, wie aktuell wieder die Umsätze im zweiten Quartal 2019 zeigten. Auch wenn sie primär Spiele produzieren, die einen sozialen Charakter haben, müssen am Ende des Tages Rechnungen und Mitarbeiter bezahlt sowie Anteilseigner bespaßt werden.

Dabei machen sie weniger falsch als man meinen könnte. Es gab 2018 einen kleinen Rückgang aber generell ist der Trend für das Spiel in den letzten Jahren ein positiver. Und das trotz solcher Ideen wie Mythic Edition, Ultimate Masters, T3feri, oder Brawl.

Es ist ebenfalls kein Fakt, dass WotC die Preise für Magic im jährlichen Turnus erhöht. Unseren Recherchen zufolge gab es die letzte offizielle Preiserhöhung 2006 mit dem Release der 9. Edition. Wir meinen, dass es Zwischendurch noch mal eine Erhöhung gab, das muss aber sechs oder mehr Jahre her sein und unser Gedächtnis ist nicht mehr das frischste. Festzuhalten ist, dass Magic, für ein derart populäres Spiel, ein relativ stabiles Preisniveau hat.

„Mit MSRP/UVP wäre das nicht passiert“

Der Link gerade hatte als letzten Punkt die Entfernung des offiziellen MSRP (oder UVP, wie wir hierzulande sagen) – quasi dem „offiziellen“, vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis – Anfang 2019.

Hier sei verraten, dass sich der übliche Verkaufspreis für Magic in den Hobby-Stores nie am UVP orientierte. Selbst im Massenmarkt, wie Karstadt, Müller und sogar Amazon sind Preise, die sich am Markt statt am UVP orientieren, eher Regel als Ausnahme. Stattdessen sorgten das aufstrebende Online-Business, hier eben reine Online-Händler oder Marktplätze wie eBay und gerade MKM, dafür dass ein regelrechter Preiskampf gefochten wurde, bei dem sich die Händler auf unwirtschaftliche Weise derart unterboten, dass mit Displayware kaum noch Gewinne zu erwirtschaften sind. Bei einigen Markt-Teilnehmern stellt sich die Frage, wie die mit den Margen arbeiten können, aber das ist Stoff für eine eigene Abhandlung.

In Europa ist es letztlich so, dass Wizards die Ware an ein knappes Dutzend Distributoren verkauft, die wiederum die Ware mit Aufschlag an die Händler verkaufen. Der stationäre Handel, sprich Hobby-Stores, wie das Cards Central in Gelsenkirchen in dem ihr Freitags draften geht, schlägt abschließend noch was drauf, um Ladenmiete und Mitarbeiter zahlen zu können (dann wäre da noch die Steuer, die wir ignorieren, weil wer will schon was über Steuern lesen). Keiner dieser Aufschläge entspricht dabei denen, wie man sie aus anderen Branchen kennt, wo 50% und mehr an der Tagesordnung sind. Davon kann der Hobby-Store (und vermutlich auch der Distributor) nur feucht träumen.

„Dann wollen die Händler mehr Kohle scheffeln“

Wie gerade gezeigt, hat der Händler kaum Einfluss, wenn er sein Geschäft längerfristig betreiben will. Dank portofreiem Versand und next-day-delivery ist der informierte Kunde zwei Klicks davon entfernt seine Ware online zu beziehen und einen Tag später in Händen zu halten, so dass man als Händler, der nicht auf seiner Ware sitzen bleiben möchte, gezwungen ist, mitzuziehen oder unterzugehen.

Zumal ein höherer Verkaufspreis für Händler in der Regel immer schlechter ist. Ist ja nicht so, dass der Inhalt im Portemonnaie der Kunden im selben Verhältnis mitwächst. Ergo sinken mit gestiegenem Verkaufspreis die Umsätze. Zusätzlich müssen die Eintrittsgelder für die Turniere angepasst werden, was zu geringeren Teilnehmerzahlen führt, was indirekt in weniger Kunder und Umsatz endet.

„Dann verkauft doch mehr Einzelkarten, die werden ja jetzt wohl auch teurer“

Es braucht kein abgebrochenes BWL-Studium um festzustellen, dass die Preise & Werte der Einzelkarten mit steigenden Booster-Preisen ebenfalls in die Höhe gehen werden. Das freut uns als Einzelkarten-Händler natürlich (Anzeige: Besucht unseren MKM-Store hier und kommt im Laden in Gelsenkirchen vorbei, um in unseren Ordnern zu blättern!!). Gleichzeitig steigen unsere Kosten, um an die Einzelkarten dranzukommen. Fazit: Wir haben ein höheres wirtschaftliches Risiko, da wir mehr ausgeben müssen ohne zu wissen, ob wir alles verkaufen können. 🙁

„Wizards macht zu viele Produkte“ / „Produkt X ist an der Preiserhöhung schuld“

Ohne zu übertreiben, kann man sagen, dass Magic nicht nur ein Spiel sondern ein ganzes Spiel-Universum ist. Es gibt diverse Spielertypen, die alle ein anderes „Spiel“ spielen; Draft, Standard, Commander, Legacy, undefiniertes Küchentisch-Gezocke und die Turnierspieler, die zocken was ambach ist, um sich für irgendwas zu qualifizieren. Unter denen gibt es wiederum Abstufungen was das Können und die Erfahrung und somit die Produkt-Anforderungen betrifft.

Der 13-Jährige, der zum zweiten Mal einen Wald nach rechts gedreht hat, kann mit einem Challenger Deck wenig anfangen, so oft die FNM-Veteranen auch versuchen ihm das zu verklickern. Da braucht es Planeswalker-Deck und Deckbau-Box. Der Magic Arena Pro hingegen, der es selbst in einem digitalen CCG schafft skillful zu Noscopen, aber ebenfalls noch keine Karte in der Hand hatte, kann mit dem Challenger Deck schon viel mehr anfangen. Da erhalten Reprint-Sets wie die Masters Editionen ihren eigentlichen Sinn (neben Ihrer Funktion für die Spekulanten).

Aber, aber die neuen Collector Booster„, kommt es aus einer der hinteren Reihen, „die sind doch viel zu teuer und unnütz„.

„Tolles Argument“, antworten wir sarkastisch. Sie sind entweder zu teuer, damit irgendwie nützlich, weil sonst wäre der Preis schnuppe, oder sie sind unnütz, womit doch egal ist, welchen Preis sie haben. Beides zusammen geht nicht. So unnütz sind sie übrigens gar nicht. Es gibt neben dem Magic-Spieler noch den Magic-Sammler, der sich über Alternativen freut, und selbst viele Magic-Spieler haben nichts dagegen einen symbolischen Euro mehr auszugeben, wenn ihr Deck ein gewisses Alleinstellungsmerkmal aufweist. Wer mal von einem durchgepimpten Legacy-Deck mit asiatischen Foils und Alters auf der A31 gen Dülmen geblendet wurde, weiß wovon wir reden.

„Magic bald nur noch für Reiche“

Im selben Atemzug vernimmt man die Andeutung, dass Magic ja nun zum Luxusgut mutiere und es sich bald niemand mehr leisten kann das Spiel zu spielen. Klar kann Magic teuer sein. Die gerade erwähnten Legacy-Decks sind das beste Beispiel dafür. Da trifft Prestige auf seltene Karten und die Preise schießen in die Höhe. Ein Szenario, das den Cosmetics in Videospielen nicht unähnlich ist. Fürs Spiel ist der Planeswalker aus dem Draft Booster aber genauso gut wie sein Borderless-Pendant aus der Mythic Edition. Ein Schachspieler braucht ja auch keine Figuren aus Elfenbein (Finger weg von den Heffalumps!), um besser als seine Kontrahenten spielen zu können.

Klar wir es teurer – deswegen lest ihr ja diesen Text hier – es wird jedoch im bezahl- und somit spielbaren Rahmen bleiben, wenn man nicht gerade Extrawünsche hat.

„Alles gut und schön, aber wie teuer wird es denn nun? Gib’s uns knall und hart!“

Ehrlich gestanden wissen wir das noch gar nicht. Die Produkte, wie auch die Turniere werden definitiv teurer, aber die Informationslage ist alles andere als rosig. So Spielchen, wie massige Verluste einfahren, weil wir Ware zu früh, zu günstig angeboten haben, wie es einigen Händlerkollegen bei Commander 2019 auf MKM passierte, können wir uns nicht erlauben. Ergo warten wir entsprechend ab und empfehlen euch als Kunden dasselbe zu tun.

Die ersten, offiziellen Infos (und Karten!) zu Commander 2019 wird es zur GenCon am Wochenende geben, weswegen wir vermutlich mit dem Vorverkauf dafür in der nächsten Woche beginnen werden (Details zum Vorverkauf und den GenCon Infos hier im Blog!). Bis dahin sollte sich der Preis auf ein vernünftiges Niveau eingependelt haben.

Throne of Eldraine hingegen wird Anfang Oktober erscheinen, also ist da noch was hin. Jetzt zu handeln wäre prekär. Wir halten euch aber auch dazu hier im Blog auf dem Laufenden.

Wie vermutlich Mel Brooks als Yogurt in „Spaceballs“ gesagt hätte: „In der Ruhe liegt der Saft!